Gutes Pferdetraining - Reitanlage Gut Kirchhof

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Was gutes Pferdetraining ausmacht



Die Grundlagen der Lerntheorie

Jedes gute Pferdetraining beginnt mit dem Wissen um den Mechanismus des Lernens. Dies ist ein essentieller Grundbaustein, der vielen Menschen leider gänzlich fehlt.
Lernen funktioniert über vier grundsätzliche Hauptachsen. Entscheidend für die Nachhaltigkeit des Trainingserfolges und auch das Training selbst ist, welche der vier Hauptachsen wir für unser Handeln auswählen. Positive Verstärkung hat zum Ziel eine korrekte Reaktion des trainierten Tieres durch einen positiven Stimulus zu belohnen. Diese Hauptachse wirkt über die Freude des Tieres, für eine bestimmte Handlung eine positive Konsequenz zu erwarten. Negative Verstärkung zielt darauf ab, einen unangenehmen Stimulus wegzunehmen, sobald das trainierte Tier erwünschtes Verhalten zeigt. Die Triebfeder dieser Technik ist die Erleichterung über den Wegfall eines negativen Reizes. Beide Formen der Verstärkung fördern also erwünschtes Verhalten. Bei der positiven Strafe wird das Tier durch einen unangenehmen Reiz bestraft, sobald das Tier unerwünschts Verhalten zeigt. Positive Strafe unterbindet durch die Angst vor einer neuerlichen unangenehmen Konsequenz unerwünschtes Verhalten. Die negative Strafe erfolgt durch das Wegnehmen angenehmer Stimuli bei unerwünschtem Verhalten. Die Motivation, unerwünschte Verhaltensweisen zu unterlassen, erfolgt in dieser Hauptachse durch die Frustration eines entgangenen positiven Stimulus.
In aller Regel werden Pferde über negative Verstärkung trainiert, während mittlerweile bekannt ist, dass das Training über positive Verstärlung einen nachhaltigeren und wesentlich zügigeren Trainingserfolg erlaubt. Natürlich ist es möglich über jede der vier Hauptachsen einen Trainingserfolg zu erzielen. Sie können diese sogar in unterschiedlichen Trainingssettings kombinieren. Manche Trainer definieren beispielsweise einige wenige NoGo-Verhaltensweisen, die immer zu einer positiven Strafe führen, wie treten, beißen oder steigen. Situation, in denen negativ behaftete oder sogenannte vergiftete Signale beziehungsweise aversive Konsequenzen absolut keinen Platz haben, sind das Medical Training oder auch das Gewöhnungstraining. Die Frage, die sich jeder von uns stellen muss, ist ob eine Technik auch eingesetzt werden sollte. Eine klare Direktive bezüglich moralischen Handelns bietet in diesem Punkt das Tierschutzgesetz. Dies verpflichtet uns alle, die wir mit Pferden zu tun haben, unsere Arbeit stets vor dem Hintergrund jenes ethischen Anspruches zu reflektieren und zu bewerten, bevor mit dem Training begonnen wird.

" Es ist verboten [...]

5. ein Tier auszubilden oder zu trainieren, sofern damit erhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden für das Tier verbunden sind"

TierSchG §3



Lerntheorie in der Praxis

Unabhängig davon, welche der vier Hautachsen Sie für Ihr Training wählen, können Sie nur dann erfolgreich sein, wenn das Pferd zwischen einem Signal, der darauffolgenden Handlung und der dadurch folgenden Konsequenz einen kausalen Zusammenhang herstellen kann. Dies ist in der Regel dann der Fall, wenn zwischen der Handlung des Pferdes und dessen Konsequenz nicht mehr als 3 Sekunden vergehen. Außerdem muss auf exakt das gleiche Signal und die dadurch ausgelöste Handlung stets genau die selbe Konsequenz erfolgen. Kurzum die von Ihnen aufgestellten Regeln und Signale müssen Sie in Stein meißeln.
Hinzu kommt, dass die Intensität des Stimulus, den Sie für eine zu etablierende Handlung auswählen, für das Pferd schwerer wiegen muss, als die Vorteile, die sich das Pferd durch die Handlung verspricht, die das Tier gerade aus sich heraus durchführen möchte. Dies ist vor allem immer dann nicht ganz trivial, wenn es sich bei der intrinsisch motivierten Handlung um ein stark belohnendes Verhalten handelt.
Dies illustriert bereits recht deutlich, dass die Korrektur von Problemverhalten, aber auch das Etablieren neuer Signale neben dem Wissen um den Mechanismus des Lernens insbesondere auch Planung erfordert. Sie müssen sich also vor Trainingsbeginn Gedanken über die Motive Ihres Pferdes für ein bestimmtes Verhalten, die möglichen Verhaltensweisen, die durch Ihr Einwirken entstehen könnten und die erwünschte Verhaltensweise, sowie die jeweiligen resultierenden Konsequenzen machen. Außerdem sollten Sie die Trainingsdauer und die Zahl der Wiederholungen, die verschiedenen Zwischenschritte und das Trainingsziel einer jeden Einheit festlegen. Strukturiertes Vorgehen und eine objektive Trainingsanalyse vergangener Einheiten ist überdies absolut unverzichtbar. Nach einer Trainingseinheit sollten Sie noch einmal reflektieren, wie erfolgreich Sie waren und im Falle des Falles Ursachen sowie Lösungsstrategien für auftretende Probleme eruieren.

Ohne soldie Grundkenntnisse und fundierte Planung bleibt jede Art von Training zufallsbasiert. Oftmals gründen sich solche Ansätze auf Erfahrung und Intuition. Beides ist nicht zu selten kombiniert mit einer charismatischen Perönlichkeit und hanebüchenen, halbherzigen Erklärungen bar jeglicher wissenschaftlicher Substanz. Das macht zwar bei vielen Menschen großen Eindruck, der Glanz löst sich jedoch innerhalb kürzester Zeit in Luft auf, wenn plötzlich Problemverhalten zu trainieren sind, die im bisherigen Erfahrungsschatz des Trainers nicht vorkommen, oder das zu trainierende Tier gleichfalls mit Persönlichkeit aufwartet und gänzlich andere Pläne hat. Darauf folgt dann in der Regel Ratlosigkeit und experimentelle Kunst. Sie können definitiv nur dann unbekannte oder komplizierte trainingstechnische Probleme lösen, wenn Sie Ursache und Motivation eines Verhaltens kennen, wissen, wie die verschiedenen Hauptachsen des Lernens ansetzen, Trainingseinheiten richtig planen können und die notwendige Technik außerdem in der Praxis beherrschen. Dann und nur dann wird aus Zufall Absicht.

Positive Verstärkung wie geht das?
Um Tiere mittels positiver Verstärkung zu trainieren ist es geschickt, zuerst einen sekundären Verstärker zu etablieren. Das ist in der Regel ein Geräusch oder eine Geste, auf die das Tier eine Belohnung erwartet. Dies ermöglicht die wesentlich exaktere Verstärkung des erwünschten Verhaltens. Bei der Etablierung eines sekundären Verstärkers ist zu beachten, dass der Trainer eine vollkommen neutrale und möglichst unbewegte Körperhaltung annimmt. Pferde sind gerade bezüglich des Trainings via positive Verstärkung ganz schön fix. Sie begreifen in der Regel viel schneller als Hunde. Das bedeutet aber auch, dass beim Training von Pferden eine wesentlich geringere Fehlertoleranz einkalkuliert werden kann. Bewegen Sie zum Beispiel jedes Mal zwischen Verstärkersignal und Belohnung ihre linke Schulter nach oben, wird Ihr Pferd das bemerken und nicht mehr das Verstärkersignal als sekundären Verstärker ansehen, sondern die Bewegung Ihrer Schulter. Das wird spätestens dann zum Problem, wenn Sie eine Lektion trainieren möchten, bei der das Pferd Ihre Schulter nicht sieht.
Außerdem müssen Sie darauf achten, das richtige Verhalten zu belohnen. Wenn Ihr Pferd das gewünschte Verhalten zeigt, dann das Bein hebt und sie daraufhin ihr Verstärkersignal geben und belohnen - Welches Verhalten haben Sie dann belohnt?


Trainingsaufbau
Verhalten, das einmal belohnt wurde, werden Sie immer wieder als Output bekommen. Je öfter Sie eine Handlung belohnen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr Pferd diese Verhaltensweise erneut zeigt. Diese Wahrscheinlichkeit lässt sich sogar berechnen. Dieses Phänomen ist bei der Trainingsplanung zu beachten, denn jeder Zwischenschritt, den Sie belohnen, werden Sie immer wieder als Ergebnis erhalten. Das bedeutet, dass Sie gut abwägen müssen, zwischen der nötigen Anzahl und den unbedingt notwendigen Wiederholungen der einzelnen Zwischenschritte, damit Ihr Pferd noch einen Chance hat zu begreifen und dem entstehenden Nebeneffekt, dass Sie unerwünschte Zwischenschritte später immer wieder angeboten bekommen werden.


Verhalten ist plastisch
Gott sei Dank ist Verhalten plastisch. Dieses schlichte Faktum ermöglicht es uns erst, Fehler zu korrigieren und unerwünschte Verhaltensweisen zu trainieren. Sie können zum Beispiel Menge oder Attraktivität Ihres Verstärkers der Qualität des Outputs anpassen. Im Klartext heißt das, macht Ihr Pferd etwas besonders gut, gibts nicht nur eine Belohnung, sondern zwei oder drei. Sie können unerwünschte Verhaltensweisen auch löschen, indem Sie für diese keine Belohnung geben. Dabei ist jedoch zu beachten, dass die Belohnungsrate hoch genug ist, damit Ihr Pferd bei der Stange bleibt. Ansonsten steigt der Frustrationspegel relativ schnell. Insbesondere darf forderndes Verhalten niemals belohnt werden, auch nicht unabsichtlich, sonst werden Sie immer wieder forderndes Verhalten als Output bekommen. Genauso dürfen Sie Ihrem Pferd auf keinen Fall einfach so eine Belohnung geben. Der Erhalt einer Belohnung muss absolut immer mit einem zuvor eingeforderten Verhalten verknüpft sein. Andernfalls werden Sie forderndes Verhalten extrem protegieren. Zudem können äußere Faktoren wie ein Ortswechsel oder ein durch Ablenkung steigender Schwierigkeitsgrad sehr wirkungsvolle Instrumente sein. Im Extremfall kann auch ein zwischenzeitlicher Personenwechsel nötig werden, wenn diese mit negativen Erfahrungen behaftet ist.


Chancen und Grenzen
Im Prinzip können Sie alles trainieren. Besonders angstmotiviertes Problemverhalten lässt sich besonders gut durch positive Verstärkung trainieren. In manchen Fällen lässt sich solches Verhalten sogar ausschließlich auf diese Weise trainieren. Aversive Ansätze bringen in dieser Situation nicht selten eine Verschlechterung. Gerade das Training von potentiell beängstigenden Situationen ist die Paradedisziplin der positiven Verstärkung. Es gibt jedoch auch bestimmte Pferde, die derart futterfixiert sind, dass ein Training über positive Verstärkung absolute Konsequenz erfordert, was nicht immer durchführbar ist. Ebenso sind dem Training über positive Verstärkung bezüglich bestimmter Trainingssettings gewisse Grenzen gesetzt. Insbesondere das belohnungsgestützte Training unter dem Sattel ist nicht so ganz trivial, wenn auch nicht unmöglich.
Verbreitete Praktiken und Lehrmeinungen auf dem Prüfstand
Pferd-Mensch-Kommunikation
Interspeziesbeziehungen sind immer kompliziert. Im Fall domestizierter Tiere ist dies erheblich einfacher geworden, als bei wilden Tieren. Dennoch weiß Ihr Pferd ganz genau, dass Sie kein Pferd sind. Fluchttiere sind in der Regel sehr gut darin, einen Prädator zu erkennen, wenn sie einen vor sich hat. Ich möchte stark bezweifeln, dass ein Pferd einen Puma als Teil der Gruppe akzeptieren würde, wenn dieser so tut, als wäre er ein Pferd. Wie schnell denken Sie, hätte der Puma den Dreh raus?
Allein der gesunde Menschenverstand lässt an der Pferdeflüsterei Zweifel entstehen. Dennoch funktionieren vermeintlich Kommunikationsbasierte Trainingskonzepte. Warum das so ist, lässt sich aber durchaus logisch mit Hilfe der Lerntheorie erklären. Offensichtlich wird das, wenn man den Menschen in einem Trainingssetting, das jeder von uns kennt und auf einen berühmten US-amerikanischen Pferdeflüsterer zurückgeht, durch ein ferngesteuertes Spielzeug Auto ersetzt. Das Pferd reagiert auf die Aktionen des Autos exakt wie auf einen Menschen. Die Pferde zeigen die charakteristische Ohrbewegung nach innen, das Kopfsenken, Lecken und Kauen, engeres Zirkeln und schließlich kommen die Pferde zum Auto und folgen diesem. Es wird wohl niemand ernsthaft behaupten wollen, dass das Pferd dieses Verhalten zeigt, weil es mit dem Auto kommuniziert und dieses als Leittier akzeptiert hat. Es existiert also keinerlei tiefere Kommunikation in dieser Situation. Das Pferd zeigt das Verhalten, weil der Fahrer des Spielzeug Autos den Druck wegnimmt, sobald das Pferd submissives Verhalten ausprobiert. Auf diese Weise lernt das Pferd ziemlich schnell, dass submissive Verhaltensweisen über negative Verstärkung belohnt werden. Es ist nicht grundsätzlich verwerflich, Pferden durch negative Verstärkung das Weichen auf Druck beizubringen. Nicht ganz die feine englische Art ist es aus meiner Sicht allerdings, das ganze Konzept dann als super sanfte, druckfreie und völlig freiwillige Kommunikationstechnik zu verkaufen.

Die Dominanzfrage
Einige Trainingsansätze gründen sich vollständig auf die Idee, Dominanz über das Pferd zu erlangen und dieses so zu kontrollieren. Diese Art des Trainings hat gleich mehrere Problemzonen.

Dominanzbasierte Modelle funktionieren lerntheoretisch über Positive Strafe. Das bedeutet, dass das Pferd negative Folgen zu befürchten hat, wenn unerwünschtes Verhalten gezeigt wird. In manchen Fällen werden die Pferde auch prophylaktisch einer Bestrafung ausgesetzt. Häufig werden die negativen Stimuli durch das in hohem Tempo Antreiben, also das zur Flucht Veranlassen realisiert. Meinstens findet diese Technik in Kombination mit engen Radien unter 8 Meter und häufigen Richtungswechseln Anwendung. Beschtrafend wirkt hier das immer weiter zur Flucht Antreiben, auch wenn das nicht auf den ersten Blick offensichtlich ist. Nicht selten wird dies bis zur physischen und psychischen Erschöpfung, wobei das Pferd dem fluchtauslösendem Reiz niemals wirklich entfliehen kann, fortgesetzt. Die einzige Möglichkeit sich dieser Zermürbungstaktik zu entziehen besteht darin, immer schneller im Kreis zu laufen. Die Richtungswechsel und engen Radien haben die Funktion das Pferd daran zu hindern, auf die Idee zu kommen, sich loszureißen. Die Bestrafung wird erst dann eingestellt, wenn das Pferd völlig erschöpft aufgibt.
Bezüglich des weiteren Verfahrens gibt es dann mehrere Möglichkeiten. Setzt man diese Art der Bestrafung in weiteren Sitzungen fort, setzt irgendwann eine Habituation gegenüber dem ausgeübten Druck ein. Das Pferd flüchtet dann nicht mehr und ignoriert Ihr Dominanzgebaren. Das hat aber absolut nichts damit zu tun, dass das Pferd sich dazu entschlossen hätte, Ihnen nachzufolgen, Sie als ranghöher zu akzeptieren, oder irgendwas in der Art. Das ist nichts weiter als ein Gewöhnungseffekt. Das Pferd hat sich also lediglich daran gewöhnt, von Ihnen unter Druck gesetzt zu werden und hat gelernt, dass Sie nicht weiter gehen werden, als zu treiben. Sie haben weder ein funktionierendes Signal etabliert, noch irgendeine Art echter Dominanz erarbeitet. Pferde, die auf diese Art trainiert wurden, erwarten von Menschen Strafe und sind sehr schwer umzutrainieren, denn diese Trainingstechnik fördert im höchsten Maße aggressives und aversives Verhalten und führt nicht selten zu massiven psychischen Störungen. Die etwas charakterstärkeren Exemplare lernen außerdem meistens irgendwann erfolgreiche Strategien kennen, Sie loszuwerden, denn kein Pferd wird sich einer derartigen Tortur freiwillig unterziehen. Manche Pferde stellen irgendwann fest, dass Sie chancenlos sind, wenn Sie kein Seil haben und fangen an, nach Ihnen zu treten, wenn Sie sich dem freien Pferd nähern. Andere Pferde finden heraus, dass sie sich losreißen können, oder sich erst gar nicht einfangen lassen müssen. Die Spezialisten lernen irgendwann, dass Sie keine Chance haben, wenn sie sich im richtigen Augenblick, zum Beispiel beim Richtungswechsel, innerhalb von Sekundenbruchteilen mit dem Hintern zu Ihnen drehen und ausschlagen. Dies alles sind teils hochgefährliche Vermeidungsstrategien, die entstehen, wenn sich Pferde einer bestimmten Erfahrung, die sie mit Ihnen gemacht haben, entziehen möchten. Die Bibliothek der Vermeidungsstrategien ist dabei wirklich mannigfaltig und hat bestimmt mehr Einträge in der Inventarliste, als das vatikanische Archiv.
Der selbe Gewöhnungseffekt tritt übrigens auch dann ein, wenn Sie die Intensität des treibenden Instruments erhöhen, oder physischere Bestrafungsformen wählen. Ich erinnere mich da an einen aus Mittelamerika importierten Criollo, der auf keinerlei Reize reagiert hat. Seile, Gerten und Geräusche, Schenkel, Zügel und Sporeneinsatz blieben gänzlich erfolglos. Wenn er allerdings eine Chance witterte, dann war jeder Tritt ein Volltreffer. Dieses Pferd wurde genau auf diese Art und Weise gebrochen und hat ebenfalls brandgefährliche Vermeidungsstrategien entwickelt. Ich denke vor dem Hintergrund meiner Erfahrungen ehrlich gesagt, dass es in diesem Fall klug sei, würde man sich Gedanken über die Auswirkungen bestimmter Trainingsansätze machen, ehe sich hinterher fragen zu müssen, wie man Vermeidungsstrategien vermeidet. Ich denke die meisten von uns möchten in Grunde harmonisch mit ihrem Pferd arbeiten und haben wenig Interresse dran, sich eines Kleinkrieges gegen ihr Pferd zu befleißigen.

Zumindest ein bisschen intelligenter ist es, die Bestrafung des Pferdes nicht erst bei völliger Erschöpfung zu beenden, sondern sobald dieses submissive Verhaltensweisen zeigt. Dann lernt das Pferd, dieses Mal über die Hauptachse der negativen Verstärkung, dass submissives Verhalten zum Ende unangenehmer Konsequenzen führt. In diesem Szenario haben Sie dem Pferd tatsächlich beigebracht, sich devot zu verhalten und auf Druck zu weichen. Dennoch kann auch diese Art des Brechens, je nachdem wie intensiv die vorherige Strafe angewandt wird, mit massiven psychischen Belastungen und der stetigen Angst vor neuerlichen, völlig unerwarteten Strafen verbunden sein, denn Sie haben ja initiativ begonnen das Pferd ohne vorhergehendes Fehlverhalten zu bestrafen.
Das ist in etwa so, als würde Ihnen jemand eine 9mm an die Schläfe halten und Ihnen androhen, dass er oder sie abdrücken würde, falls Sie kein Vertrauen aufbrächten. Finden Sie dieses Verhalten besonders vertrauenserweckend?

Eine wichtige Regel der Lerntheorie ist, dass lernen nur unter angstfreien Bedingungen stattfinden kann. Wie wirkt sich eine auf Angst basierende Technik auf die Lerngeschwindigkeit aus? Bei Trainingstechniken, die auf positiver Strafe oder negativer Verstärkung basieren, kommt es darauf an, dass der Trainer ganz genau weiß, was er tut. Falsch ausgeführt, haben moralisch ohnehin zweifelhafte Praktiken katastrophale Folgen, die nicht durch simples Umtrainieren zu beheben sind. Setzen Sie diese also mit Bedacht und nur dann ein, wenn Sie sicher sind, dass Sie alle Hintergründe kennen und alles richtig machen werden.

Ein Grundsatzproblem der Dominanztheorie ist, dass deren Logik von Desideraten durchsetzt ist, auch wenn sich die Sache an sich, vorgetragen von einem charismatischen Trainer, zunächst sehr logisch anhört. Ihr Pferd weiß, dass Sie kein Pferd sind. Denken Sie, Ihr Pferd kommt ohne Weiteres auf die Idee, dass Sie im Sinn haben könnten, das Leittier spielen zu wollen? Ich denke die Unterstellung einer derart abstrahierenden kognitiven Leistung überschätzt deutlich die Intelligenzleistung eines Pferdes. Denken Sie, dass die professionellen Tiertrainer in Wildparks und Zoos mit einem 200kg Sumatra Tiger erst einmal die Rangfolge klären, bevor sie mit dem Training beginnen? Ich denke offengestanden, dass ein solches Vorgehen eine massive evolutionäre Triebfeder hinsichtlich der Selektion auf intelligente Trainingskonzepte darstellen würde.
Was unterscheidet aber den Tiger von Ihrem Pferd? Warum maßen wir uns an, unsere domestizierten Tiere mitunter auf grausamste Weise zu traktieren, unterlassen dies jedoch im Fall des Tigers? Die Antwort darauf ist wohl ziemlich augenfällig. Der Unterschied liegt im Gefährlichkeitspotenzial, das wir den jeweiligen Tierarten zutrauen. Der Tiger wird Sie fressen, noch bevor Sie ihre Dominanz demonstriert haben. Ein Pferd wird das in der Regel nicht tun. Trotzdem - gibt uns das das Recht, so mit unseren Tieren umzugehen? Ich habe dazu eine ganz klare Meinung und ziehe daher hinsichtlich dominanzbasierter Techniken eine scharfe Grenze zwischen dem, was vertretbar ist und dem, was die Intelligenz und Ethik des Menschen beleidigt.
Lassen Sie sicht bitte nicht von wahnsinnig logisch klingendem Unsinn hinsichtlich Ihrer Dominanz über das Pferd dazu hinreißen, die ganze Geschichte ohne Weiteres zu glauben. Die Aussage, Training, welches auf den Einsatz von Denkleistung statt Angstpolitik setzt, sei ein Ausdruck des Unvermögens, kann nichts anderes sein, als der Beweis eigener kognitiver Unzulänglichkeiten. Ein Pferd wird Ihnen dann vertrauen, wenn Sie sich als verlässlich erweisen und charakterliche Führungsqualitäten besitzen und nicht dann, wenn Sie maximale Panik verbreiten.

Auch wenn unsere Pferde geduldig und leidensfähig sind, immer wieder aufs Neue vertrauen, bleibt letztendlich doch jede Art der Kontrolle eine Illusion. Wir dürfen niemals vergessen, dass wir mit Geschöpfen arbeiten, die uns weit überlegen sind. Ein mehrere hundert Kilogramm schweres, sehr kräftiges Tier muss rein bezüglich des Kräfteverhältnisses keinerlei Veranlassung sehen, mit Ihnen zu kooperieren. Wir haben nur so lange Handhabe über unsere Pferde, wie diese bereit sind, unsere Kontrolle über sie zuzulassen.
Gewöhnungstraining
Das Gewöhnungstraining setzt auf die Habituation an Reize, die möglicherweise angstauslösend wirken. Gewöhnungstraining ist besonders beim Anreiten junger, sensibler Pferde unverzichtbar. Dennoch hat das Aussacken gewaltiges Fehlerpotential. Es kommt dabei darauf an, das Pferd niemals in die Situation zu bringen, wrklich Angst zu haben. Sie müssen die Trainingsschritte so klein halten, dass das Pferd bei der Sache bleibt. Das Ziel besteht darin, das Pferd einerseits an fremde Reize zu gewöhnen und andererseits ein Ersatzverhalten zur Flucht für den Fall einer angstauslösenden Situation zu schaffen. Das Ersatzverhalten, dass etabliert werden soll, ist in den meisten Fällen das ruhige Stehen. Richtig ausgeführt, wird das Pferd durch dieses Training irgendwann eine größere Motivation haben, das Ersatzverhalten zu zeigen, als dem Instinkt zu folgen. Dazu müssen Sie einen Anreiz und das Vertrauen schaffen, dass das Pferd lieber stehen bleibt, als vor dem vermeintlichen Puma wegzulaufen. Es dürfte wohl kaum nötig sein, zu erwähnen, dass dies nur bis zu einem bestimmten Punkt funktioniert. Es geht im Prinzip um das Erlernen von Impulskontrolle. Dadurch gewinnt das Pferd an Selbstvertrauen und legt nervöses Gebaren zunehmend ab. Klar ist aber auch, dass man Angst nicht durch die Androhung noch größerer Panik trainieren kann. Sie können kein Ersatzverhalten zur Flucht durch die Auslösung des Fluchtverhaltens etablieren. Aus diesem Grund hat das sogenannte Flooding nichts mit richtigem Gewöhnungstraining zu tun. Dabei setzt man das Tier unvorbereitet einem fluchtauslösendem Reiz aus und lässt das Pferd so lange laufen, bis es erkennt, dass es dem Reiz nicht entfliehen kann und aufgibt. Der Klassiker in dieser Kategorie ist das erste Satteln. Der Sattel wird aufgelegt und angegurtet. Anschließend läuft das Pferd um sein Leben, bis es zu dem Schluss kommt, dass es den Sattel nicht los werden kann und schließlich aufgibt. Kapitulation unterscheidet sich in allen Punkten von der Habituation. Bei der Habituation setzt sich das Pferd mit einer Aufgabe auseinander. Bei der Kapitulation akzeptiert das Pferd eine aussichtslose Situation, denn lernen ist in einer angstgeprägten Situation unmöglich. Kennzeichnend ist die Reaktion auf den nächsten Schritt im Traingingsverlauf. Pferde, die sich an das Tragen eines Sattels gewöhnt haben, werden Sie als Reiter ohne Probleme akzeptieren. Pferde, die Flooding erdulden mussten, werden bei jedem weiteren Schritt erneut flüchten und Abwehrbewegungen zeigen. Ungenügende Vorbereitung ist eine Hauptgefahr beim Anreiten junger Pferde.

Belohnung und forderndes Verhalten
Weit verbreitet ist auch die Idee, dass die Arbeit über Belohnung zu forderndem Verhalten führt. Dies ist nur dann der Fall, wenn der Verstärker ohne System eingesetzt wird. Pferde, die über positive Verstärkung trainiert werden, sollten niemals einfach so eine Belohnung erhalten, ohne vorhergehendes Signal und einen korrekten Output. Außerdem dürfen Sie niemals forderndes Verhalten belohnen. Es ist keine gute Idee, das Scharren am Putzplatz, oder die Pferdenase an Ihrer Jackentasche durch Futter zu beruhigen. Dann werden Sie realtiv schnell intensiv forderndes Verhalten bekommen. Bleiben Sie jedoch konsequent, versteht Ihr Pferd genauso schnell, dass es nur an Belohnungen kommt, wenn gearbeitet wird. Sie müssen sich dann überlegen, ob Sie Verhalten belohnen möchten, dass das Pferd spontan ohne vorheriges Signal Ihrerseits anbietet.
Die Altklassische Reitkunst
Eine ganz und gar einzigartige Form der Reitkunst. Geprägt von Leichtigkeit, gebaut auf dem Fundament der Freiwilligkeit Lesen Sie mehr...
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Stefanie Blatz B.Sc.
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