Über die Arbeit mit Pferden - Reitanlage Gut Kirchhof

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Über die Arbeit mit Pferden


Die Ansprüche des Pferdes an seine Umwelt

Bevor Sie mit dem Training Ihres Pferdes beginnen, müssen Sie zunächst adäquate äußere Bedingungen schaffen, damit Ihre Mühe überhaut erst eine Chance bekommt, erfolgreich zu sein. Pferde haben wie jedes Lebewesen durch ihre Art bestimmte Bedürfnisse. Insbesondere hoch im Blut stehende Pferde neigen dazu, sämtliche Kooperation einzustellen, falls diesen nicht entsprochen werden sollte.

" Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat,

1. muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen,

2. darf die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden,

3. muss über die für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung des Tieres erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen. "

TierSchG §2


Pferde sind ihrer Natur gemäß

Gruppentiere

Lauftiere

Dauerfresser



Pferde sind soziale Steppenbewohner mit hochkomplexen Verhaltensweisen. Ihrer Art gemäß trifft man diese Tiere im Gruppenverband auf weiten, offenen Flächen an. Sie fressen mindestens 16 Stunden täglich stark rohfaserhaltiges Gras, bewegen sich dabei stets im Schritt vorwärts und atmen frische, nahezu keimfreie Luft. Wenn die Gruppe schläft, suchen sie sich dafür einen Ort mit maximaler Sicht und es passt immer mindestens einer auf, damit die anderen keinen Jäger fürchten müssen. Für ein Pferd ist eine hochgeschlossene, stickige Box ohne Artgenossen ebenso ein absoluter Horror, wie für Sie ein Aufenthalt ganz allein, mitten in der Nacht in einem dunkeln, gruseligen Wald bei Minustemperaturen. Unter solchen Voraussetzungen sind Sie garantiert auch vollumfänglich leistungsfähig, oder?

Zu oft sehe ich leider trotzdem Pferde, die den Großteil ihres Lebens täglich 20 Stunden und mehr in einer Box verbringen. Wenn Lauftieren täglich eine Stunde kontrollierter Bewegung in der Halle, zwei mal täglich 15 Minuten Führmaschine und ein 20 Quadratmeter großes Einzelpaddock geboten werden, dann ist das nach meinem Verständnis einfach keine verhaltensgerechte Unterbringung gemäß TierSchG §2. Wer seinem Pferd solche Bedingungen bietet, der darf sich nicht wundern, wenn das auf Dauer nicht gut geht.

Ebenso sind 3 Kilogramm Hafer mit Mineralfutter und 4 Kilogramm Heu einmal täglich keine artgerechte Rationsgestaltung. Der Magen eines Pferdes verfügt nicht über Fülllstandsrezeptoren, so wie der des Menschen. Das Gefühl satt zu sein, wird bei Pferden allein durch die Anzahl der Kauschläge errechnet. Deshalb legen Pferde von sich aus auch keine Fresspausen über 4 Stunden ein und haben bei unzureichender Raufutterversorgung schlicht und ergreifend so richtig Hunger, selbst wenn das Kraftfutter alle nötigen Nährstoffe enthält. Sie werden bestimmt auch zur Diva, wenn Sie nur alle zwei Tage einen Teller Suppe bekommen, selbst wenn diese Suppe alles enthält, was sie zum Leben brauchen, stimmt´s ?

Und noch ein Wort zur Stallluft. Wenn für Sie ein Stall nach Stall riecht, dann steht ihr Pferd schon bis zum Knie im Klärbecken ...

Bitte
Informieren Sie sich, hinterfragen Sie und beginnen Sie aus Sicht Ihres Pferdes zu denken.
Fragen Sie nach - bei einfach jedem: Stallbetreiber, Reitlehrer, Bereiter, Hufschmied, Tierarzt, Sattler und beim Physiotherapeuten.
Ein Fachmann wird Ihnen alles erklären können und Sie haben dazugelernt. Jemand der das nicht kann, ist kein Fachmann.
Lassen Sie sich nicht mit irgendwelchen Ausreden abspeisen! Verlassen Sie sich nicht darauf, was irgendjemand sagt. Vertrauen Sie lieber darauf, was Ihr Bauchgefühl und das Pferd Ihnen sagen, das ist wesentlich zuverlässiger. Wenn Ihr Pferd plötzlich Angst vor Gerten oder Mistgabeln hat, dann hat das einen Grund.
Gute Möglichkeiten sich zu informieren, sind immer das Tierschutzgesetz und die Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten oder auch das zuständige Veterinäramt, das Fachzentrum Pferdehaltung oder die jeweiligen Kammern der Berufsstände.
Außerdem könnten Sie sich an die jeweiligen Lehrstühle der Hochschulen und Universitäten wenden.
Grundsätzlich gilt, wenn mit unseren Pferden irgendetwas schief läuft, sind ausnahmslos wir Menschen daran schuld.

Trainingsgelegenheiten
Für das Training Ihres Pferdes ist es unabdingbar, dass Ihnen eine eingezäunte, befestigte Trainingsgelegenheit zur Verfügung steht. Das Gelände oder eine Pferdeweide sind keine adäquate Trainingsgelegenheit. Wenn Sie etwas erreichen wollen, werden Sie auch ganzjährig üben müssen. Das ist gefahrlos auf einer Wiese oder im Gelände einfach nicht möglich. Es ist unglaublich beruhigend zu wissen, dass das Pferd nicht weit kommt, falls es wirklich stiften geht, wenn man mal etwas ausprobieren möchte...

Stallatmosphäre
Welche Stimmung können Sie bei den verschiedenen Personen auf einem Hof wahrnehmen und welche Geräusche hören Sie? Singt der Bereiter in der Halle im Arbeitsgalopp ein Liedchen, oder kommen Ihnen uncharmante Dinge zu Ohren? Lachen die Einsteller gemeinsam über ihren Ausritt von gerade eben, während die Pferde entspannt nebeneinander am Putzplatz stehen und dösen, oder wird vor vorgehaltener Hand gelästert? Spricht das gut gelaunte Personal freundlich und ganz leise mit den Tieren, oder kommt die Mistgabel samt Drohung vor der Person in den Stall gelaufen? Gibt es entspannte Kaugeräusche, Schnauben und streichelbedürftige Pferdenasen, oder aufgeregtes Wiehern, aufgerissene Augen und zurückgelegte Ohren? Ich denke Sie können sich vorstellen, wovon ich spreche? Die Stallatmosphäre sagt viel über einen Pferdebetrieb aus und ist durchaus entscheidend für den Trainingserfolg, denn die Stimmung der Menschen überträgt sich auf das Pferd, das weiß jeder Reiter aus eigener Erfahrung. Außerdem ist das Phänomen mittlerweile auch wissenschaftlich untersucht (König von Borstel 2014). Stellen Sie sich vor, Sie fahren bereits angespannt zum Stall, weil Sie hoffen, eine bestimmte Person nicht zu treffen, oder weil Sie sich dort einfach nicht wohl fühlen. Denken Sie das wird sich positiv auf Ihre Trainingseinheit auswirken? Wie soll Ihr Pferd Vertrauen haben und seinen Job machen, wenn Sie dem Pferd Unsicherheit vermitteln?


Darauf sollten Sie achten
Täglich mehrstündige freie Bewegung in der Gruppe
Mindestens 12 Stunden Zugang zu qualitativ hochwertigem Raufutter
Ganzjährig gut belüftete und sauber gemistete Stallungen
Freundlicher Umgang mit den Tieren
Trainingsgelegenheit
Entspannte Stallatmosphäre


Der Pferdebesitzer als Erfolgsfaktor

Für den langfristigen Erfolg eines Pferdetrainings ist der Pferdebesitzer ein entscheidender Faktor. Zunächst sollten Sie sich darüber im Klaren sein, dass die Ausbildung eines Pferdes kein Hexenwerk ist. Im Grunde ist es ein relativ einfaches Kuchenrezept aus drei Zutaten.


Technik

Timing

Geduld


Doch weil der Teufel ja bekanntermaßen im Detail steckt, ist keiner dieser Punkte eine wirkliche Kleinigkeit.

Die Technik und der Pferdebesitzer
Das Problem mit der Trainingstechnik ist ja im Allgemeinen, dass das einzige Problem eines Problempferdes in der Regel der ist, der obendrauf sitzt. Zu erkennen, dass es die eigenen Fehler und Schwächen sind, die einen dort hingebracht haben, wo man ist, erfordert eine große Portion Demut und echten Charakter.
Man kann kein Glas füllen, dass bereits voll ist...

Wer hochmütig ist und sich für den Größten hält, sein eigenes Versagen dezent ignoriert und das am Ende am Pferd auslässt, wird aller Wahrscheinlichkeit nach nicht zum Ziel kommen. Das gilt für ausnahmslos alle, die mit Pferden arbeiten, vom blutigen Anfänger bis zum Olympiasieger.
Ein bisschen Stolz schlummert in jedem von uns, doch wirklich Charakter hat der, der seinen Stolz herunterschluckt und das tut, was für das Pferd am besten ist. Je früher Sie jemanden um Rat bitten, desto geringer ist der Korrekturaufwand. Das ist dann erfreulich für Sie und das Pferd. Deshalb kommen Sie nicht erst auf die Idee, sich Hilfe zu organisieren, wenn Sie alles versucht haben, gescheitert sind und die Dinge vollends aus dem Ruder gelaufen sind, sondern gleich dann, wenn sie spüren, dass etwas nicht richtig ist. Dann ist die Sache meistens mit einem kleinen Kniff vom Tisch. Demut braucht auch, wer ein wirklich guter Pferdetrainer werden will, denn hier ist die Fähigkeit gefragt sich keiner zu machen. Ein Horseman muss aus der Sicht des Pferdes seine eigenen Handlungen und Methoden kritisch hinterfragen können und zwar bevor irgendwetwas geschehen ist. Ist das, was ich vor habe für das Pferd klar verständlich und logisch? Mache ich es meinem Partner einfach genug die richtige Lösung zu finden? Welche Verhaltensweisen erwarte ich und welche sind möglich? Kann ich mit den möglichen Reaktionen meines Pferdes korrekt umgehen? Und überschreite ich mit dieser Aufgabenstellung vielleicht die Grenze des lösbaren für mein Pferd? Wer gleich beim ersten Gewöhnungstraining mit dem Laubbläser ankommt, muss sich eben nicht wundern, wenn man gehörig das Vertrauen des Pferdes demoliert...


Die Sache mit dem Timing
Timing fordert von Ihnen eigentlich nur drei wesentliche Dinge.

Wissen

Übung

Aufmerksamkeit

Um das Timing exakt abzustimmen, müssen Sie sich zunächst genaue Gedanken über den Zweck der Lektion gemacht haben. Dazu brauchen Sie das Wissen um den Mechanismus einer Übung und die möglichen erwünschten und unerwünschten Verhaltensweisen. Jenachdem werden Sie erwünschte Verhaltensweisen belohnen und die unerwünschten korrigieren oder ignorieren. Dass das Timing hier von entscheidender Bedeutung ist, dürfte augenfällig sein. Damit das dann auch klappt, braucht man natürlich eine gewisse Übung und seine sieben Sinne beieinander. Das wärs dann eigentlich auch schon ...


Geduld, Geduld, Geduld
Pferdetraining ist kein one night stand. Es dauert eine ganze Weile eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen. Um dies zu erreichen, sollte der Trainer immer klar und konsequent sein. Das heißt im Klartext es sind stets die selben Verhaltensweisen erlaubt und die gleichen Verhaltensweisen unerwünscht. Wie soll sich das Pferd auch sonst auf etwas verlassen können? Ist es nicht gerade das sich-verlassen-können, das Vertrauen schafft?
Geduld ist keine sehr verbreitete Fähigkeit, aber unerlässlich für eine gute Pferd-Mensch-Beziehung und eigentlich genau das, was einen Horseman wirklich ausmacht. Emotionalität hat da nichts verloren. Wird man emotional, wird man unfair und das zerstört Vertrauen. Etwas, das wir überhaupt nicht gebrauchen können. Geduld bedeutet aber nicht nur, fehlerhafte Verhaltensweisen immer und immer wieder freundlich korrigieren zu können, ohne sich aufzuregen, sondern auch, Zeit, Biss und meistens auch Geld in die Sache Pferd investieren zu wollen.

Langsam ist schnell und schnell ist langsam. Monty Roberts

Ein Pferdeproblem hopplahopp wegzumurksen taugt meistens zu nichts und verursacht am Ende nur noch mehr Probleme. Lassen Sie sich, Ihrem Pferd und Ihrem Trainer die Zeit, etwas vernünftig zu lernen und geben Sie, falls notwendig, auch ein bisschen mehr Geld aus, bis Sie sich wirklich wohl und sicher fühlen. Dann sind sie im Endeffekt garantiert schneller und auch nicht ärmer. Eine Pferd-Mensch-Beziehung aufzubauen, kostet Sie eben

Blut, Schweiß und Tränen

Wenn Sie Erfolg haben wollen, müssen Sie sich reinhängen! Es genügt eben nicht, wenn der Trainer mit Ihrem Pferd wunderbar zurechtkommt. Und haben Sie den Mut auch einmal bei einer Methode, bei einem Trainer zu bleiben und nicht ständig von einem zum nächsten zu pilgern. Das verwirrt nur und hilft Keinem.




Kontakt:
Stefanie Blatz
Gestüts- und Betriebsleitung
Radmoos 27
94353 Haibach
Mobil: 0151/64613339
E-Mail: Reitanlage-GutKirchhof@t-online.de
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